Irgendwann kommt bei jeder wachsenden Sammlung der Moment, in dem man ein Buch sucht, von dem man genau weiß, dass man es besitzt, und es trotzdem nicht findet. Spätestens dann stellt sich die Frage nach einer Ordnung. Die langen Abende im Herbst sind eine gute Gelegenheit, das Thema anzugehen. Ein Regal nach dem anderen, mit einer Tasse Tee daneben, und mit der Chance, dabei Bücher wiederzuentdecken, die man längst vergessen hatte.
Alphabetisch nach Autor
Die Ordnung nach dem Nachnamen des Autors ist der Klassiker und für Belletristik fast unschlagbar. Jeder im Haushalt versteht sie sofort, und ein Buch lässt sich ohne Nachdenken zurückstellen. Neue Bücher finden ihren Platz von selbst.
Ihre Schwäche zeigt sich bei Sachbüchern. Ein Band über die Geschichte des Buchdrucks, ein Kochbuch und ein Reiseführer über Portugal stehen bei alphabetischer Ordnung womöglich direkt nebeneinander, nur weil die Autoren ähnlich heißen. Schwierig wird es auch bei Sammelbänden, Anthologien und Büchern mit mehreren Herausgebern. Hier sollte man sich einmal auf eine Regel festlegen, zum Beispiel immer den ersten genannten Namen, und dann dabei bleiben.
Nach Sachgebieten
Für Sachbücher ist die Ordnung nach Themen meist die bessere Wahl. Geschichte, Kunst, Naturwissenschaften, Garten, Kochen, Reisen: Die Gruppen ergeben sich aus der Sammlung selbst. Innerhalb der Gruppen kann man wieder alphabetisch sortieren. Viele Sammler kombinieren beide Systeme: Romane und Lyrik nach Autor, alles andere nach Sachgebiet.
Wer es genauer mag, orientiert sich an den Aufstellungssystematiken öffentlicher Bibliotheken und vergibt eigene Kürzel. Das lohnt sich allerdings erst bei großen Beständen. Für eine Sammlung von einigen hundert Bänden reicht eine einfache Liste von Themengruppen, die man bei Bedarf erweitert.
Nach Farbe, Größe oder Erwerb
Farbig sortierte Regale sehen auf Fotos wunderbar aus. Im Alltag ist diese Ordnung nur für Menschen geeignet, die sich an das Aussehen ihrer Bücher erinnern. Wer ein Buch nur mit Titel und Autor im Kopf hat, sucht lange. Als Gestaltungselement für ein einzelnes Regal mit Bildbänden kann sie trotzdem reizvoll sein.
Eine Ordnung nach Größe ist dagegen oft aus praktischen Gründen sinnvoll. Große Bildbände und Atlanten passen nicht in normale Regalfächer. Viele Bibliotheken stellen Übergrößen deshalb gesondert auf. Das spart Platz, weil die Regalböden enger gesetzt werden können.
Manche Sammler ordnen chronologisch nach dem Zeitpunkt, an dem ein Buch ins Haus kam. Das Regal wird so zu einer Art Tagebuch. Als Hauptsystem taugt das selten, für eine besondere Abteilung, etwa Reiselektüre der vergangenen Jahre, kann es eine schöne Idee sein.
Den Überblick behalten
Keine Ordnung hält ewig, wenn sie nicht gepflegt wird. Ein paar Gewohnheiten helfen:
- Ein kleines Fach für Neuzugänge und gerade gelesene Bücher einrichten, das regelmäßig einsortiert wird.
- In jedem Regalfach etwas Platz lassen, damit nicht bei jedem neuen Buch alles verschoben werden muss.
- Ausgeliehene Bücher notieren, mit Datum und Name. Ein Zettel an der Stelle im Regal erinnert daran, dass hier etwas fehlt.
- Bei größeren Sammlungen einen Katalog anlegen. Karteikarten funktionieren nach wie vor, eine Tabelle am Computer ist leichter durchsuchbar.
Ein Katalog lohnt sich übrigens nicht nur zum Suchen. Er hilft auch dabei, keine Doppelungen zu kaufen, und er ist eine wertvolle Unterlage, falls die Sammlung einmal versichert, vererbt oder aufgelöst werden soll. Wer bei der Erfassung neben Titel und Autor auch Verlag, Erscheinungsjahr und Zustand notiert, hat später deutlich weniger Arbeit.
Die perfekte Ordnung gibt es nicht. Es gibt nur die, die zur eigenen Sammlung und zur eigenen Art zu lesen passt. Ein guter Test ist einfach: Wenn jemand aus dem Haushalt ein bestimmtes Buch in weniger als einer Minute findet, ist das System gut genug.